Olympische Geschichten Teil 5

Eine selbstlose Tat



Bei der Olympiade in Seoul 1988 holte der kanadische Segler Lawrence Lemieux eine Medaille — jedoch nicht in seiner Disziplin. Als er mit seinem Ein-Mann-Segelboot in der Finn-Dinghi-Klasse vor der Küste Busans startete, herrschte stürmische See. Der Wind blies mit einer Geschwindigkeit von bis zu 35 Knoten und sorgte für meterhohe Wellen. Dennoch drängte Lemieux an die Spitze, als er ein gekentertes Boot bemerkte, das in einer anderen Klasse gestartet hatte. Einer der Segler trieb im offenen Wasser, der andere klammerte sich an den Rumpf der Jolle. Beide waren verletzt.

„Als ich den Ernst der Lage erkannte, war für mich klar, was zu tun war‘,‘ erzählte Lemieux später. Er stoppte, um die beiden Männer aus Singapur an Bord zu holen. Nachdem er die Segler an ein Rettungsboot übergeben hatte, setzte er sein Rennen fort und belegte immerhin noch Platz 22 unter 32 Teilnehmern. Für seinen Einsatz erhielt Lemieux die Pierre-de-Coubertin-Medaille überreicht. Sie wird vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) an Athleten verliehen, die sich durch besonders faires Verhalten auszeichnen. „Jeder andere hätte an meiner Stelle genauso gehandelt,“ sagte Lawrence Lemieux später.

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