Der Zitronenbaum

Gestern hatte ich ein VideoCall mit einem guten Freund aus Bremen. Während wir sprachen, kam seine Tochter dazu, setzte sich zu ihm und verkündete: „Papi, zum Geburtstag wünsche ich mir einen Zitronenbaum!“ mein Freund stutzte und fragte: „Sabine, warum willst Du gerade einen Zitronenbaum?“ Sabine antwortete: „Weil ich im Sommer Zitronenlimonade an meinen Saftstand verkaufen will. Ich verkaufe soviel leckere Limo, dass ich mir noch in diesem Jahr ein eigenes Pferd kaufen kann!“ Man muss jetzt nicht zwangsläufig ein Mathematikstudium haben, um im Kopf auszurechnen, dass Sabine ganz schön viel Limo verkaufen muss und ob da ein Sommer ausreicht…? Ich wollte gerade erwidern, da antwortete schon mein Freund: „Sabine, hier werden keine Zitronenbäume wachsen und wenn, dann haben diese vielleicht nur zwei oder drei Zitronen im Jahr. Damit kannst Du keinen Limostand aufmachen.“

Sabine zog enttäuscht von dannen, vollkommen gescheitert mit ihrer Idee, als selbstständige Limonadenverkäuferin sich den Luxus eines Pferdes zu gönnen.
Warum merzen wir die Träume von anderen und uns selbst so entschieden aus? Warum unterstützen wir keine Ideen, auch wenn diese noch so phantastisch sind und wecken damit die Kreativität in uns? Natürlich hätte mein Freund mit seiner Tochter zusammen an der Limo-Idee noch etwas feilen müssen, gerade wenn es an der Zitronenproduktion des Baumes mangelt. Und natürlich wäre dabei wahrscheinlich nie das Geld für ein Pferd zusammen gekommen. Sabine hätte jedoch zum ersten Mal mitbekommen, was es bedeutet, das Leben zu leben…Startkapital, Location, Anbauplatz, Pflege, Produktions- und Personalkosten und die Zeit, die man dafür investieren und von geliebten Hobbies abzweigen muss. Sie hätte in dieser Zeit sich um das Wachsen und Leben von einer Pflanze gekümmert, was nicht immer leicht ist und hätte die digitale Welt in dieser Zeit vielleicht unbeachtet gelassen bzw. in den Lebensablauf integriert. Ein wichtiger Punkt in der Entwicklung unserer Kinder. Es wäre eine Lehre des Lebens für Sabine geworden.
Also lassen wir unseren Kindern und auch uns doch einfach einmal die Freiheit groß zu denken und uns von unseren Gedanken und Ideen leiten. Besonders in der Zeit von Ausgangsbeschränkungen und Reduzierung auf einen kleinen Bereich unseres Lebens mit anderen Menschen sind neue große Ideen gefragt. Packen Sie es an!



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